In 2020 niedrigster Wasserstand in der Weser

In 2020 niedrigster Wasserstand in der Weser

Am 25. September 2020 sinkt der Wasserstand Pegel Porta auf 89 cm! Das ist eine Sensation, denn seit Inbetriebnahme des Pegel 1935 ist kein derart niedriger Wasserstand gemessen worden.

Bild 2 Weserstrand Minden, Strandbad ohne Wasser

Niedrigwasser am Pegel Porta - Blick zum Kaiser Wilhelm Denkmal
Niedrigwasser am Pegel Porta - Blick zum Kaiser Wilhelm Denkmal

De Pegel Porta in der zweiten Septemberhälfte

Pegel Porta in der 2. Septemberhälfte

Bis dahin galt als Tiefstwert mit 92 cm das Jahr 1991. Man könnte also leicht dem Trugschluss erliegen, dass der trockene Sommer für das diesjährige Tief die Ursache ist und damit vielleicht sogar der Klimawandel. Tatsächlich ist die Abflusssituation an einem Gewässer ein untrüglicher Zeuge für die vorausgegangene Wetterperiode. Der oberflächennahe Boden und die tieferen Schichten sind riesige Speicher für das Wasser. Bleibt die Zufuhr vom Himmel in Form von Regen aus, leert sich der Speicher. Er leert sich wie ein Topf mit einem Loch: Je mehr sich der Wasserstand dem Boden nähert, desto geringer ist der Ausfluss. Und so verhielt sich auch die Weser gegen Ende des Sommers. Ihr Topf ist der 19162 km² große Erdkörper, der zum Pegel Porta gehört. Der Sommerniederschlag befeuchtete lediglich die Vegetation und den Oberboden und verdunstete, der vorausgegangene Winterniederschlag war nicht so ergiebig, dass der Topf genügend aufgefüllt wurde. Sein Füllstand litt noch unter den trockenen Jahren 2018 und 2019.

Zurück zum Pegel Porta und seinen 89 cm. Der Pegel misst kontinuierlich den Wasserstand. Im Sinne des Topfbildes ist das der Wasserstand, den der auslaufende Strahl in einem Gerinne außerhalb des Topfes erzeugt, das Gerinne, in dem der Ausfluss abgeleitet wird. Was die Wasserwirtschaft aber interessiert, ist nicht der Wasserstand, sondern die Abflussmenge, entweder in l/s oder in m³/s. Und dazu benötigt man außer dem Wasserstand die Fließgeschwindigkeit und den Fließquerschnitt dieses Ablaufgerinnes. Der Wasserstand wird ständig am Pegel erfasst. Den Fließquerschnitt, der sich durch die Arbeit des Flusses in geringem Maße verändert und die Fließgeschwindigkeit des Wassers werden nur von Zeit zu Zeit gemessen. Daraus werden Kurven erzeugt und aus diesen kann man dann für beliebige Wasserstände die zugehörigen Abflussmengen ermitteln. In Bild 4 ist beides nebeneinander zu sehen.

Bild 4 Pegel Porta Wasserstand (links) und Abfluss (rechts); http://undine.bafg.de

Erst der Abfluss, bei der Weser in m³/s angegeben, gibt wirklich Auskunft über die Feuchtigkeitsverhältnisse dieses riesigen Gebietes, das bis Hessen, Bayern, Thüringen und Niedersachsen reicht und große Teile in Nordrhein-Westfalen hat.
Man kann sich leicht vorstellen, dass die Weser ihr Flussbett an der Porta trotz der starken Befestigungsmaßnahmen für die Schifffahrt in geringem Maße ändert. Wegen der starren Uferbefestigung neigt sie dazu, die Sohle zu vertiefen. Das führt dazu, dass bei gleich tiefen oder sogar tieferen Wasserständen, wie sie früher gemessen wurden, heute sogar höhere Abflüsse ermittelt werden. Der Fließquerschnitt unter dem früher gemessenen Niveau hat sich vergrößert!
Genauso verhält es sich am Pegel Porta, wenn man nicht in die Geschichte der Wasserstände schaut, sondern in die der Abflüsse – siehe Bild 5.

Bild 5 Pegel Porta, niedrigste Abflüsse aus: Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Weser- und Emsgebiet 2012

Pegel Porta, niedrigste Abflüsse

Und da rangiert der niedrigste Abfluss im Jahr 2020 mit rund 41 m²/s erst an 4. Stelle in der Rangliste der trockensten Abflussjahre.
Wegen der Errichtung der Staustufe Petershagen wurde der Pegel Minden aufgegeben und 1935 nach Porta verlegt. Die meisten anderen Weserstädte haben deutlich ältere Pegel. Und wenn man z.B. auf den Pegel Vlotho schaut, taucht das Jahr 1921 als das Jahr mit dem geringsten Abfluss auf.
Es ist viel Wasser die Weser hinabgeflossen, es fließt viel Wasser die Weser hinab. Deshalb, das Abflussjahr 2020 war ein trockenes Jahr, aber es war keine Sensation in der Pegelgeschichte!
Minden, 16. Okt. 2020